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ALTLANDRAT DR. THEODOR KÖRNER

„MEIN“

Wittelsbacher

Land

ALTL ANDRAT DR . THEODOR KÖRNER

geb. 1941 in Inchenhofen, verheiratet, ein Sohn / 1962 Studium

Philosophie und Recht an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU)

München, 1967 Erstes Staatsexamen, Referendar, Tätigkeit bei

Anwälten in Augsburg und Friedberg, 1971 Zweites Staatsexamen,

Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Augsburg / 1974

Regierung von Schwaben, 1975 Landratsamt Augsburg / 1975 Pro-

motion zum Dr. jur. an der LMU München / 1978 Stadtrat in Fried-

berg, Kreisrat in Aichach / 1980 Persönlicher Referent des Landtags-

präsidenten, Regierungsdirektor, 1981 Verwaltungsdirektor bei der

Bayerischen Verwaltungsschule, 1984 – 1989 Fraktionsvorsitzender

Stadtrat und Stellvertreter des Landrats, 1989 – 2002 Landrat des

Landkreises Aichach-Friedberg / 2004 bis heute Rechtsanwalt

lage seines Tuns direkt aus den Ställen von Landwirten seines Vertrau-

ens aus der näheren Umgebung. Besonders in Erinnerung blieben ge-

legentliche Besuche meines Onkels beim Direktor der Pschorr-Bräu in

München. Nicht nur, dass sich der Direktor ausführlich über den Alltag

in Friedberg berichten ließ, für mich fiel bisweilen ein Taschenmesser

ab, ein Statussymbol für jeden Buben auf dem Land.

Die Studienzeit in der lärmend und unpersönlich empfundenen

Landeshauptstadt gab schließlich den Ausschlag, meine ganzen

Bemühungen darauf zu richten, in „meinem“ Landkreis eine ständige

Bleibe zu finden, nicht zuletzt deshalb, weil ich meine ersten beruf-

lichen Schritte in einer, vom Inhaber liebevoll „Bauernkanzlei“ genann-

ten, Anwaltskanzlei in Friedberg machen durfte. Es waren bleibende

Eindrücke in den ländlichen Alltag, vor allem bei Fragen der Hofüber-

gabe, des Vieh- und Getreidehandels. Und als mich der legendäre

Landrat Dr. Franz-Xaver Frey in Augsburg noch dazu ermunterte, mich

kommunalpolitisch, statt beim Staat, zu engagieren, war mein wei-

terer Weg vorgezeichnet.

Meine Frau Franziska, eine Augsburgerin, zog mit und wir bezogen

ein Reihenhaus in Friedberg, die Bekanntschaften aus der Schänke

wuchsen zu Freundschaften, der damalige Landtagsabgeordnete, ein

I

mWittelsbacher Land bin ich daheim, es ist meine Heimat!

Heimat, nicht nur gefühlt, Heimat erlebt und gelebt. Ganz im

Sinne, wie es mein besonders geschätzter Schriftsteller, der

Baden-Badener Reinhold Schneider, ausdrückt: „Heimat ist der

Raum, in den man mit jedem Jahr tiefer eindringt.“ Jedes Lebensjahr

hat sicherlich Akzente, die Heimat fühlen und erleben lassen. Kompri-

miert sind es die Jahre der Kindheit, der Jugend, des Studiums und der

ersten Berufserfahrung, die das Gefühl für Heimat prägen – ein Ge-

fühl, das den Raum Heimat nicht nur einfach lebenswert macht,

sondern geradezu einlädt, für ihn gestaltend tätig zu werden.

Die Kindheit prägte das Umfeld meiner Mutter, einer gebürtigen

lnchenhofenerin. Sie stammte aus einem kleinen bäuerlichen Anwe-

sen. Der bäuerliche Alltag bei der Großmutter und dem Onkel war be-

stimmt vom Kornmandl-Aufstellen über Kartoffelklauben bis hin zum

Viehhüten und schaffte Bezug zum bäuerlich geprägten, an der Jah-

reszeit orientierten Denken der Menschen, Bezug zur Landschaft, im

Wortsinn zur Bodenhaftung. Diese Bodenhaftung verstärkte ein ein-

jähriges „Zwischenspiel“ im Internat, dem Oblatenkonvikt in Dillingen,

umgeben von preußischen Patern und einer flachen Donaulandschaft

mit viel Nebel, jeglicher gewohnten Freiheit beraubt. Da war der

Wechsel zu den bayerischen Benediktinern bei St. Stephan in Augs-

burg wie die freie Luft in Beethovens Fidelio. Ich war einfach meinem

geliebten Leahad, wie wir Einheimischen zu lnchenhofen, demWall-

fahrtsort St. Leonhard sagen, wieder näher und wieder öfter dort. Vor

allem wieder bei meinen alten Schulfreunden.

Die Jugendzeit prägte die Herkunft meines Vaters, der aus dem

Gasthof „Zur Linde“ in Friedberg stammte und der sich nach der

späten Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft dort neben

seinem Hauptberuf als Eisenbahner engagierte. Es wurde ja jede Kraft

gebraucht. Schon früh durfte ich in der Schänke mithelfen, Bier zap-

fen, Weizenbier einschenken. Nach der bäuerlichen „kleinen“ Welt

erschloss sich mir eine städtische „große“ Welt mit Geschäftsleuten,

wohlbestallten Handwerkern und Honoratioren mit jeweils strengen

Privilegien, was ihre Weinpokale und Bierkrüge betraf; einfach eine

liebenswerte, aus meiner Sicht ungetrübte Welt, auch eine Welt des

ersten Trinkgelds. Dort geknüpfte Bekanntschaften sollten mir später

auf meinemWeg hilfreich wieder begegnen. Auch dieser Erfahrungs-

bereich, so erfuhr ich, war eng verknüpft mit dem bäuerlichen Land,

bezog doch mein Onkel für seine Metzgerei die wesentliche Grund-