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ALTLANDRAT DR. THEODOR KÖRNER

bei Versammlungen vertraut und dabei der echte Altbayer: Ein

Menschenschlag, größeren Veränderungen stets abgeneigt, seinen

Emotionen freien Lauf lassen könnend, Argumenten in seiner Sprache

ausgedrückt aber doch zugänglich, kurz: Hauptsache, einen zu haben,

an den man ,,hinschimpfen“ kann.

Voller Idealismus trat ich dann auch mein Amt als Landrat an, im

Rücken eine Mehrheit von 63,3 % bei insgesamt vier Bewerbern, vor

mir die Probleme mit der Mannertschen Hausmülldeponie, in die nicht

nur der Landkreis seinen Müll lieferte, sondern auch der „Nobelland-

kreis“ Starnberg, mit der halbstaatlichen Sondermülldeponie, dem

Austritt von Arsen aus dem Deponiekörper. Mit diesem Problem sah

sich der Landkreis allein gelassen, die verantwortlichen Politiker auf

Landesebene redeten das Problem klein, nahmen ihnen doch die

Betreiber der beiden Anlagen manch problematische Entsorgung ab.

Dazu kam das Zuviel an Krankenhäusern mit enormen jährlichen Defi-

ziten im Haushalt. Der Idealismus wich sehr bald der Realität der

Proteste, den Demonstrationen, ja, den Rücktrittsforderungen ob der

bestehenden Missstände. Dies tat meinem Engagement für diesen

Raum aber keinen Abbruch, spornte mich eher noch an, Wege aus

dem Dilemma aufzuzeigen.

Das Ziel war klar: Schluss mit der Hausmülldeponie, eindeutige staat-

liche Zuständigkeit bei der Arsenproblematik, dafür eine Verbrennungs-

anlage auf modernstem technischem Stand. Den geplanten Weg dort-

hin konnte ich dem Kreistag in seiner damals polarisierenden Stimmung

nicht detailliert darlegen, ohne nicht an anderer Stelle Demonstrations-

feuer zu entfachen, ich ging ihn einfach. Als erstes konnte Mannert in

einem äußerst harten Disput überzeugt werden, dass jedes weitere Be-

mühen um Aufrechterhaltung oder gar Erweiterung seiner Deponie auf

härtesten Widerstand stößt, er ließ davon ab. Ferner blieb ich statt der

satzungsmäßigen zwei Jahre fünf harte Jahre Aufsichtsratsvorsitzender

bei der Abfallverwertungsanlage Augsburg und zurrte die Deponierung

der Restschlacke in den Salzstöcken von Heilbronn fest, womit auch ei-

ne Restschlackendeponie bei uns hinfällig wurde. Der Anwurf der IHK

Schwaben und des Kreistags Augsburg, ich hätte dadurch die Entsor-

Das Sisi-Schloss in Unterwittelsbach, von der Stadt

Aichach in enger Abstimmung zwischen Bürgermeister

und Landrat erworben, und der Bauernmarkt in Da-

sing, vom dortigen Bürgermeister und vom Landrat

durchgesetzt, sind heute Anziehungspunkte weit über

die Landkreisgrenzen hinaus.

Altlandrat Dr. Theo Körner mit seinem Vorgänger, Josef Bestler (Mitte),

und seinem Nachfolger im Amt, Christian Knauer

echter und überzeugender Volksvertreter, warb mich für ein poli-

tisches Engagement, ein angesehener Bäckermeister überzeugte mich

vom Sinn des aktiven Einsatzes bei der Feuerwehr, die mich den Wert

handwerklicher Erfahrung bei den Hilfseinsätzen kennen und schät-

zen lehrte und vor allem das ehrliche Wort, ein Stück unseres Land-

kreises. Ein Übriges tat die Münchner Zeit als Persönlicher Referent

des Landtagspräsidenten, dessen Stimmkreis der Landkreis Lindau

war. Der dortige interessante Alltag im Obst und Weinbau, das gesell-

schaftliche gesellige Zusammenleben, schwappte auch ins hohe Haus

des Maximilianeums. War es auch nicht meine unmittelbare Zustän-

digkeit, aber über den Terminplan des Chefs wurde ich doch mit den

Themen konfrontiert, Themen, die für die Bittsteller oft von existen-

zieller Bedeutung waren. Wenn ich dann den Dank und die Freude

über erfahrene Hilfe dem Präsidenten weiterleiten konnte, wurde mir

bewusst, wie sinnvoll solches Engagement ist. Für mich stand eindeu-

tig fest: Für „meinen“ Landkreis zu arbeiten lohnt sich. Ich bewarb

mich für den Stadtrat in Friedberg und den Kreistag in Aichach-

Friedberg und wurde gewählt.

Beruflich noch in München tätig, richtete ich meine Freizeitaktivi-

täten ganz auf die Stadt und den Landkreis, lernte in Sprechstunden in

den Fußstapfen des rührigen Landtagsabgeordneten die großen und

kleinen Sorgen der Menschen kennen, konnte auch bisweilen helfen.

Nicht nur die menschlichen Sorgen, auch die Wirtshäuser des Land-

kreises, von denen es viele heute schon nicht mehr gibt, wurden mir